Kinder und Jugendliche aus vielen Teilen der Welt haben in Österreich ihre neue Heimat gefunden. Ich betreue einige von ihnen in meinem Beruf als Jugend- arbeiter. In meinen Gruppen muss sich etwas tun und ich bin deshalb immer auf der Suche nach attraktiven Möglichkeiten, um junge Menschen bei der Stange zu halten. Um ihnen zu zeigen: Es lohnt sich, wenn man am Ball bleibt. Man lernt nicht nur die Sprache schneller, man findet auch Anschluss und wird in der Community geschätzt. Das ist nicht immer einfach. Und doch ist es mir mit einem Projekt zu 100 % gelungen.
Kochen mit Kids
Es gibt zwei Grundbedürfnisse, die wir alle haben, egal ob klein oder groß, jung oder alt, Migrant oder Österreicher. Wir benötigen soziale Nähe und wir brauchen Nahrung. Für mich, als ausgebildeten Koch, haben Mahlzeiten und ihre richtige Zubereitung einen hohen Stellenwert. Was lag also näher, als die Jugendarbeit in eine Koch-Werkstatt – in die Küche – zu verlegen?
„Durchs Essen kommen die Leut‘ z’samm“, dachte ich und war dann selbst überrascht, wie reibungslos es funktionierte. Zwei Fliegen mit einem Schlag – eigentlich drei. Die Kinder und Jugendlichen redeten nicht nur miteinander, sie kochten gemeinsam Lieblingsspeisen aus den Ländern, aus denen sie stam- men. Beim Schnippeln, Putzen und Zubereiten der Lebensmittel und Speisen wurde gescherzt und erzählt, beim anschließenden Essen viel gelacht. Alle Be- teiligten waren mit Feuereifer bei der Sache.
Daheim schauten sie der Mutter beim Kochen der traditionellen Gerichte auf die Finger und machten sich die Mühe, alles aufzuschreiben und in die Koch- Workshops mitzubringen. Sie entwickelten Rezepte, schilderten ihre Traditio- nen und woher sie die, manchmal exotischen, Gewürze, Früchte und Gemüse normalerweise beziehen. Sie fühlten sich gut. Sie waren eingebunden. Sie hat- ten Spaß. Ich war begeistert.
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